Spielbericht: Karlsruher SC – 1. FC Kaiserslautern 0:1

Hier regiert nur einer!

Hier regiert nur einer!

Wir sind Derbysieger! Der 1. FC Kaiserslautern hat das pfälzisch-badische Duell gegen den Karlsruher SC mit 1:0 gewonnen. Die Mannschaft bescherte ihren Fans damit in schweren Zeiten endlich mal wieder einen schönen Tag.

Sascha Hildmann wollte gar nicht mehr hinschauen, Gerry Ehrmann schnauzte den vierten Offiziellen an und deutete auf seine imaginäre Armbanduhr. Aus dem Gästeblock kamen wütende Pfiffe und lautes Gebrüll. Doch Schiedsrichter Florian Heft ließ trotz fortgeschrittener Nachspielzeit und ungeachtet aller Proteste noch einen Eckball der Hausherren ausführen. Die Kugel segelte herein, wurde abgefangen, weggeschlagen – und dann kam er endlich, dieser verdammte Schlusspfiff! Derbysieg!

Gemischte Erwartungen, aber auch Entschlossenheit

Was zieht einen nach so einem Saisonverlauf eigentlich nach Karlsruhe? Der Ausblick auf die Baustelle im Wildparkstadion oder gar das nervige „Badnerlied“ jedenfalls nicht. Auch die starke Karlsruher Bilanz der vergangenen Wochen (elf Spiele ohne Niederlage) sorgte im Vorfeld nicht für die ganz große Siegesgewissheit im Lautrer Lager. Trotz der tabellarisch gesehen klaren Rollenverteilung war aber auch eine Portion Entschlossenheit dabei, als sich die 3.500 FCK-Fans in Zügen, Bussen und Autos am Samstagvormittag bei Kaiserwetter Richtung ins Badische aufmachten. Blauer Himmel, Februarsonne und milde Temperaturen – es gab schon ungemütlichere Termine für ein Derby.

Die gute Laune konnte einem allerdings kurz vor Karlsruhe schon wieder abhandenkommen. Denn offensichtlich erwarteten Polizei- und Sicherheitsbehörden den Ausbruch eines Bürgerkriegs. Wasserwerfer, unendlich viele Zäune, rund 1.000 Polizisten, mehrere Kennzeichen-Kontrollen auf den Zufahrtsstraßen, Polizeispäher auf dem Dach der Haupttribüne, ja sogar Drohnen waren im Einsatz. Ein Aufwand, der die Vorkehrungen vergangener Jahre noch einmal übertraf. Währenddessen musste am Einlass manch Security-Mitarbeiter noch aufgeklärt werden, welche Mannschaft nun blau-weiß und welche rot-weiß trägt.

Rot-weiße Choreographie im Gästeblock

Vor, während und nach dem Spiel passierte jedenfalls erwartungsgemäß nichts und so stand einem emotionalen Derby nichts im Wege – außer die provisorischen Flutlichtmasten im Wildparkstadion, die aufgrund des Umbaus des Wildparkstadions die alten Strahler ersetzen, sinnvollerweise aber komplett im Sichtfeld der Kurvenbesucher im Innenraum aufgestellt wurden. Noch mehr sichtbar war die Baustelle auf der gegenüberliegenden Seite des Gästeblocks, dort zeugte nur noch ein Erdhügel hinter dem Tor von der alten Kurve.

Der Stimmung war das im ohnehin luftigen Stadion nicht gerade zuträglich. Doch trotzdem, und anders als auf dem Platz, wo sich beide Mannschaften zunächst neutralisierten und wenig zuließen, waren die Roten Teufel nach der Schweigeminute zu Ehren der beiden verstorbenen KSC-Legenden Heinz Fütterer und Kurt Sommerlatt optisch und akustisch auf den Rängen in der ersten Hälfte überlegen. Hinter dem Stadt- und Vereinswappen trug die eine Hälfte des Gästeblocks weiße, die andere Hälfte rote Leibchen und sorgte damit für einen Hingucker. Im weiteren Spielverlauf wurde die Choreo mit dem wilden Schwenken der Plastik-Überzieher abgerundet.

Wie gehabt: Dem FCK fehlt ein Knipser

Das Spiel plätscherte derweil vor sich hin, weshalb es mit den üblichen Sticheleien, die zwischen den Fanlagern hin und her geschmissen wurden – wie absurd, dass sogar beide Bürgermeister der Stadt vorab darum baten, auf Schmähungen zu verzichten – in die Kabine ging.

Während man sich fragen durfte, wie der behäbige und ziemlich harmlose KSC überhaupt auf einem direkten Aufstiegsplatz stehen kann, schien sich beim FCK das schon bekannte Bild fortzusetzen: Defensiv stabil, dafür offensiv viel zu ungefährlich. Das Fehlen eines kaltschnäuzigen Knipsers war einmal mehr an allen Ecken und Enden zu bemerken. Fast schon körperliche Schmerzen hatte wohl der ganze Betze-Anhang, als Jonjic nach einer Balleroberung über den Platz stürmte, am Strafraum perfekt auf Kühlwetter durchsteckte – dem dann frei vor Benjamin Uphoff die Kugel versprang. Synchrones Haareraufen auf und neben dem Platz!

Schads Tor: Ein krachender, tosender Jubel!

Von einem 15-Punkte-Abstand beider Vereine war zwar spätestens da nichts mehr sehen, auch wenn Burak Camoglu wenige Minuten nach Wiederanpfiff noch den Außenpfosten getroffen hatte. Weil die Pfälzer einmal mehr nicht imstande schienen, das Tor zu erzwingen, wären die Leistungen von Carlo Sickinger, der mit wenigen Ausnahmen abgezockt, souverän und clever spielte, Antonio Jonjic, der unbedarft auftrat, in seiner ersten Aktion gleich Gegenspieler Damian Roßbach nassmachte, und dem so sicheren Lennart Grill beinahe die einzigen Lichtblicke an diesem Tag gewesen. Wären!

Dann kam die 76. Minute: Christian Kühlwetter spielte Dominik Schad im Strafraum an, der zuvor noch aus ähnlicher Position gescheitert war. Der Flügelspieler zog ab – und brachte den Ball im Tor unter. Eine Befreiung! Ein krachender, tosender Jubel aus dem Gästeblock untermalte die Spielertraube auf dem Feld. Im Heimbereich herrschte lähmendes Entsetzen.

Die Hildmann-Truppe verteidigt leidenschaftlich

Für zusätzliche Spannung in den Schlussminuten war spätestens jetzt gesorgt, schließlich war der KSC im neuen Jahr in jedem Spiel in Rückstand geraten, hatte aber trotzdem noch gepunktet. Diesmal aber nicht, auch weil sich die Hildmann-Truppe leidenschaftlich in die Bälle schmiss und verteidigte – allerdings auf der Gegenseite die Vorentscheidung liegen ließ: Christian Kühlwetter traf den Pfosten, Janek Sternberg im Nachschuss nur KSC-Keeper Benjamin Uphoff.

Am Ende war es egal. Als nach dem letzten Eckball der Abpfiff ertönte, gab es kein Halten mehr. Die Mannschaft feierte den verdienten – auch wenn es Alois Schwartz auf der Pressekonferenz später nicht wahrhaben wollte – Derbysieg hüpfend und sichtbar ausgelassen im Kreis. Dann ging es vor die Kurve, wo der mitgereiste Betze-Anhang schon sehnsüchtig wartete, um zumindest eine kleine Entschädigung einer sonst ziemlich zähen Saison zu feiern.

Autor: paulgeht

Quelle: Der Betze Brennt